Unsichtbare Stimmen sichtbar machen

In Marzahn-Hellersdorf waren bis zu 48.000 Menschen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit von den Berliner Wahlen ausgeschlossen. Obwohl sie hier leben, arbeiten und Teil unserer Gesellschaft sind, dürfen sie bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) nicht mitentscheiden. Dabei betreffen politische Entscheidungen auch ihren Alltag und ihre Lebensbedingungen ganz unmittelbar. Um diesen Menschen eine symbolische Stimme zu geben und auf ihren Ausschluss von der demokratischen Mitbestimmung aufmerksam zu machen, riefen die Projekte „Marzahn-Hellersdorf demokratisch aktiv“ (Roter Baum Berlin e. V.) und „Koordinierungsstelle Demokratie Marzahn-Hellersdorf“ (pad gGmbH) erstmals öffentlich zur Teilnahme an den Symbolwahlen Marzahn-Hellersdorf auf.

Symbolwahlen haben keine rechtliche Wirkung und beeinflussen das offizielle Wahlergebnis nicht. Sie bieten jedoch Menschen ohne Wahlrecht die Möglichkeit, ihre politischen Interessen und Positionen zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig schaffen sie Anlässe für politische Bildung, demokratischen Austausch und die Auseinandersetzung mit Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe.

Das Ziel: Unsichtbare Stimmen sichtbar machen und demokratische Beteiligung unabhängig von der Staatsangehörigkeit fördern.

Beteiligung und Ergebnisse

Vom 5. bis zum 17. September 2026 konnten Interessierte in sieben Wahllokalen im Bezirk ihre symbolische Stimme für das Berliner Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf abgeben.       

Ergebnisse der Symbolwahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Für das Abgeordnetenhaus wurden insgesamt 70 Stimmen abgegeben. Diese verteilten sich wie folgt: CDU: 9, SPD: 18, Bündnis 90/Die Grünen: 8, Die Linke: 21, AfD: 4, FDP: 2, Tierschutzpartei: 2, Die PARTEI: 2, DKP: 1, SGP: 1, BSW: 1 und  Partei des Fortschritts (PdF):1 Stimme.

Ergebnisse der Symbolwahl zur BVV Marzahn-Hellersdorf

Für die Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf wurden insgesamt 72 Stimmen abgegeben. Diese verteilten sich wie folgt: CDU: 10, SPD: 18, Bündnis 90/Die Grünen: 9, Die Linke: 26, AfD: 4, FDP: 2, Tierschutzpartei: 2 und Freie Wähler: 1 Stimme.

Die Ergebnisse spiegeln ausschließlich die Stimmen der Teilnehmenden an den Symbolwahlen wider. Sie sind nicht repräsentativ für die Bevölkerung Marzahn-Hellersdorfs und lassen keine Rückschlüsse auf das offizielle Wahlergebnis zu.

Demokratie erleben und Teilhabe ermöglichen

Die Symbolwahlen waren mehr als eine symbolische Stimmabgabe. Rund um die Wahl organisierten die beteiligten Einrichtungen und Projekte zahlreiche Veranstaltungen und Angebote zur politischen Bildung und demokratischen Teilhabe.

Dabei ging es nicht nur darum, Menschen über das Berliner Wahlsystem zu informieren, sondern auch darum, miteinander ins Gespräch zu kommen: Welche politischen Themen bewegen die Menschen im Bezirk? Welche Möglichkeiten haben sie, sich unabhängig von ihrem Wahlrecht einzubringen? Und wie kann demokratische Beteiligung für alle Menschen zugänglicher werden?

Die Symbolwahlen wurden durch das Engagement zahlreicher Einrichtungen, Initiativen und Projekte im Bezirk ermöglicht:

  • BENNplus Wittenberger Straße
  • Nachbarschaftsladen „Kiek in“
  • Mobile Stadtteilarbeit Marzahn NordWest
  • Tamaja Gemeinschaftsunterkunft Wittenberger Straße
  • BENN Blumberger Damm
  • Rosa – Interkultureller Frauentreff
  • KOMPASS – Haus im Stadtteil, Klub 74 Nachbarschaftszentrum Hellersdorf e. V.
  • Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade
  • Mehrgenerationen- und Kinderhaus „Buntes Haus“, Roter Baum Berlin
  • Die Promenade hält zusammen, Roter Baum Berlin
  • Mobile Stadtteilarbeit „B.A.T. mobil“, Roter Baum Berlin
  • BENNplus Raoul-Wallenberg-Straße
  • DRK Kreisverband Berlin-Nordost e. V.

Wir bedanken uns herzlich bei allen beteiligten Einrichtungen, Projekten und Engagierten, die die Symbolwahlen unterstützt und Räume für demokratische Beteiligung geschaffen haben.

Ein besonderer Dank gilt allen Menschen, die ihre symbolische Stimme abgegeben und damit gezeigt haben, dass politische Mitbestimmung auch für diejenigen von Bedeutung ist, die bei offiziellen Wahlen nicht wählen dürfen.